Entdecken Sie das Spätsommerflair des Balkan-Gebirges und der Schwarzmeerküste und lernen Sie dabei die historische Kulturlandschaft Bulgariens kennen: Die mittelalterliche Hauptstadt Veliko Tarnovo und ihre Umgebung mit zahlreichen Architektur- und Kulturdenkmälern verschiedener Epochen, das Architekturmuseum Arbanassi und die Meeresmetropole Varna mit einer 7000 Jahre alten Geschichte. Besuchen Sie einen Schnupperkurs in Bulgarisch und nehmen Sie an spannenden Diskussionen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft Europas teil.

Zehn Jahre nach dem Beitritt zur EU schwankt das Land immer noch zwischen pro- und antieuropäischer Polemik, zwischen widersprüchlicher Vergangenheit und unsicherer Zukunft, zwischen gelebten und institutionalisierten Identitäten. Wie viel Europa verträgt eigentlich Bulgarien? Wo endet der Orient und wo beginnt das Abendland? Wie positioniert sich die kontroverse bulgarische Geschichte im Gesamtbild der europäischen Zivilisation(en)? Die Sommerschule, die dieses Jahr unter dem Motto „Europa“ steht, greift diese und andere Fragen auf und wagt einen Blick hinter die Klischees und Stereotype über Bulgarien. Zur Diskussion bieten sich folgende drei Themenschwerpunkte an:

Der erste Schwerpunkt liegt bei dem Thema Europa. Hauptakzente sind:
▪Europäische Identitäten. Was ist Europa? Ein sowohl geographischer als auch kultureller Raum. Ein kulturhistorischer Ausblick gilt dem Spannungsfeld zwischen ländlicher Idylle und urbaner Dynamik in der ersten Hälfte des 19. Jh. – vermittelt durch Bilder des Exotischen und des Paradieses auf Erden. Weiter sind einige grundlegende Aspekte der vielgestaltigen ‚Einheit’ Europa zu erhellen. Zu fragen ist nach den immer schon problematischen Grenzen Europas, sowie nach dessen politischen Strukturen. Auf die christlichen, jüdischen und islamischen Wurzeln europäischer Kultur soll ebenso hingewiesen werden wie auf die Möglichkeiten und Probleme, Konstituenten einer gemeinsamen europäischen Identität zu bestimmen. Die Herausbildung ‚nationaler’ Stereotype innerhalb Europas, aber auch die Selbstwahrnehmung der Europäer im Spiegel außereuropäischer Kulturen bilden eine weitere Akzentsetzung wie die Suche nach einer ‚Idee Europa’, die gegenwärtig in der Europäischen Union ihre nicht nur politische Konkretisierung zu finden scheint.
▪Die Roma-Integration. Zunehmende Armuts- und Fluchtmigration haben dazu geführt, dass das Thema „Integration“ in den letzten Jahren europaweit zu einem Dauerbrenner geworden ist. Nach dem EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens haben insbesondere die Strategien und Herausforderungen im Umgang mit der Roma-Minderheit enorm an Aktualität gewonnen. In diesem Zusammenhang wird die Integrationspolitik Bulgariens in der Zeit des Realsozialismus und nach der Wende besprochen, wobei anhand von Beispielen ihre Erfolge und Fehlleistungen gezeigt werden.
▪Elias Canetti – der europäische Bürger par excellence. Die Teilnehmer werden mit dem Leben und Werk des in Bulgarien geborenen Nobelpreisträgers Elias Canetti bekannt gemacht. Ein Bericht über die zwanzigjährige Geschichte der Internationalen Elias-Canetti-Gesellschaft sowie über die Events der IECG wird den Teilnehmern die Gelegenheit geben, sich über die Tätigkeiten und Wirkungsbereiche der IECG zu informieren sowie praktische Tipps für Arbeit in NGOs zu bekommen. Ein Highlight bildet dabei die Präsentation des Verlagsprogramms der IECG.

Der zweite Schwerpunkt ist um die Multikulturalität Bulgariens zentriert. Es werden folgende Themen behandelt:
▪ Abriss der bulgarischen Geschichte: Durch zwei einführende Vorlesungen wird ein Überblick über die ur- und frühgeschichtlichen Kulturen im bulgarischen Raum, die Zivilisation der Thraker, der ersten Ansiedler des Balkans (4000 – 3000 v. Chr.), das griechisch-römische Erbe und die kulturellen Artefakte aus dem Mittelalter gegeben. Ein weiterer Akzent sind die kulturpolitischen Aspekte der Gegenwart.
▪ Bulgarien zwischen Orient und Okzident. Der Balkan gilt seit jeher als Kreuzweg der Kulturen, als Übergang zwischen Europa und dem Orient und zugleich (oder gerade deswegen) als “Pulverfass Europas”. Es werden historische und kulturelle Umstände analysiert, die in Bulgariens Gegenwart erkennbar sind und das Land für viele Westeuropäer befremdend, aber auch reizvoll erscheinen lässt. Anhand einer Filmanalyse werden kulturhistorische Semantiken von interkulturellen Realien vorgeführt, erläutert und diskutiert. Wie haben Juden, Türken, Bulgaren und Zigeuner hierzulande im Laufe der Zeit ihre Kommunikationsregeln ausgehandelt – eine der gelungenen filmischen Erzählungen („Nach dem Weltende“ von Ivan Nitschev) der letzten Jahre gibt facettenreich darüber Auskunft und demonstriert Interkulturalität als mehr als nur ethnisch definierbare Kategorie.
▪Wahlheimat Deutsch. Deutschsprachige Literatur von Bulgaren. Es wird ein kurzer Überblick über einige SchriftstellerInnen bulgarischer Herkunft angeboten, die in deutscher Sprache geschrieben und veröffentlicht haben.

Der dritte Schwerpunkt bezieht sich auf das Reiseland Bulgarien. Hier werden folgende Themenkomplexe angeboten:

▪ Die Sehenswürdigkeiten Bulgariens. Die bulgarische Natur ist vielleicht das größte Kapital des Landes. Traumhafte Schwarzmeer-Riviera mit breiten Sandstränden und imposanten Felsenformationen, majestätische Bergwelten und Höhlen mit archaischen Malereien, Weinberge mit einheimischen Rebsorten: All das spricht die Reiselustigen an und motiviert sie, eine Abenteuerreise ins unbekannte Bulgarien zu wagen. Kann das Land ihren Erwartungen gerecht werden oder hat Bulgarien seine Tourismus-Chancen durch die rücksichtslose Verbauung der Meeresküste und die nicht zu übersehenden Dienstleistungsdefizite schon verpasst? Ein Highlight der Sommerschule ist der Wochenendausflug nach Varna, der größten Schwarzmeerstadt Bulgariens, die auch zur Europäischen Jugendhauptstadt 2017 erkoren wurde. Die Nekropole mit dem ältesten Goldschatz der Welt, das Felsenkloster Aladzha und die Residenz Euxinograd sind nur einige von den zahlreichen Touristenattraktionen, die Varna zu bieten hat.
▪ Bulgarische Traditionen. Barfuß auf Feuerglut tanzen, einen Kreisreigen im eisigen Januarfluss vorführen, Hunde in der Luft drehen lassen: Bulgarien hat eine Reihe von archaischen und teilweise skurrilen Traditionen und Ritualen, die für Kulturtouristen mit einem Faible für Ethnologie faszinierend sein könnten. In der Sommerschule werden einige der interessantesten Bräuche anhand von Bild- und Videomaterialien präsentiert.
▪ Interkulturelle Kommunikation. Zum Abbau bestehender Vorurteile werden ergänzend einige Trainings in interkultureller Kommunikation angeboten. Diese setzen sich zum Ziel, die kulturelle Eigenart von Bulgarien als Gastland situations- und kulturgerecht zu erfassen. Die Teilnehmer werden auf eventuelle Konflikte und Missverständnisse vorbereitet und können dabei lernen, diese durch Perspektivenwechsel und Relativierung zu vermeiden. So wird die allgemeine Sozialkompetenz der Teilnehmenden entwickelt, die eine wichtige Ressource bei künftigen Aufenthalten in Bulgarien darstellt und zum interkulturell erfolgreichen Handeln in verschiedenen Kontexten beitragen kann.